Zukunftsgespräche im Filmmuseum
Beim 41. Zukunftsgespräch moderierte der altbewährte Alfred Eichhorn im Filmmuseum am Potsdamer Platz, zum verlängerten Titel "MySpace, YouTube, Second Life - Schönes neues Web 2.0?" Am Podium waren Markus Beckedahl von newthinking, Matthias Ehlert: Ko-Chefredakteur der Netzeitung, Claas van Delden von der Holtzbrinck Internet-Beteiligungsholding und Robin Meyer-Lucht, freier Unternehmensberater.
Ziemlich schnell wurde Hype in den Raum geschmissen. Xing erwirtschaftete 10 Millionen im letzten Jahr und ist 160 Millionen an der Börse wert. Auf jeden Fall haben drei Entwicklungen zum Web 2.0 geführt. Einmal die Bandbreite, die von Unternehmen wie Global Crossing forciert wurden und Outsourcing von Röntgenuntersuchungen nach Indien ermöglicht haben. Zweitens dieNutzererfahrung; mittlerweile telefoniert meine 68-jährige Tante im Netz. Drittens die grosse Anzahl von Web-Plattformen. Claasen verkündete stolz im Anschluss darauf, dass über 40 Millionen Bilder auf dem StudiVZ Server liegen.
Eichhorn legte nach und wollte Wissen wer die Verlierer dieser Revolution sind? Meyer-Lucht meint die Journalisten. Anzeigenkunden wandern verstärkt ins Netz und junge Leser entwickeln neue Mediennutzungsgewohnheiten. Das "Mitmach-Web" verändert die Relationen zwischen Sender und Empfänger. Jeder ist ein Anbieter und hat die Möglichkeit sich ein Stück selbst zu verwirklichen, welches für eine funktionierende Demokratie nur von Vorteil ist. Medien müssen vom neuen Produzenten lernen um mitzuschwimmen. Ehlert ist sich dessen wohl bewusst und ist froh wie schnell Korrekturen auf der Seite, weil aufmerksame Leser darauf hinweisen, verbessert werden können. Und eine Kommentarfunktion sollte im Jahr 2007 schon Standard auf einer Nachrichtenseite sein.
Apropos Hype. Second Life hat 6 Millionen Nutzer und meistens sind nur 30,000 online, meint Beckedahl. Der Spiegel betitelte sich sogar damit. Ehlert hatte einen Punkt: die Vision des Cyberspace und die Verknüpfung von realen und virtuellen bekommt einen neuen Schub, auch wenn die Grafik und Technik noch etwas hapert.
Über deutsche Klone wurde auch kurz sinniert, kommt immer alles aus den USA. Ein Venture Capitel Fonds für Berlin ist in der Mache, hörte ich von der Agentur Index. Und wenn die "Web 2.0 Expo" des Worterfinders O'Reilly dieses Jahr in Berlin stattfindet, dann müssten mehr als nur Klone rauskommen. Mehr Videoplattformen sind anscheinend nicht nötig, denn es gibt schon über 10 deutsche YouTube Ableger. Wahrscheinlich wird Programmterror diverser TV-Sender hoffentlich bald ein Ende haben, dann nur noch Event-TV und Gottschalk wird hoffentlich bis zur Rente durchhalten. Aber mal ehrlich, bewegte Bilder im Netz fängt gerade erst an. Der Super-Disrupter Niklas Zenström verändert zuerst die Musikindustrie mit Kazaa, dann die Telcos mit Skype und jetzt Fernsehen mit Joost?
Den RBB Inforadio Podcast zum Zukunftsgespräch und eine weitere Nachlese gibts beim Literatenmelu.
